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Archive for Januar 2010

Es gibt einige Dinge, die mir hier das Leben versäuern. (Gegenteil von versüßen, wenn es das Wort nicht gibt, dann hab ich es wohl gerade erfunden)

Aber ich könnte mir überlegen, doch hier zu leben, wenn folgende Dinge vorhanden wären:

Ein gut isoliertes Haus, in dem es innen NICHT fast genauso kalt ist wie draußen. (Die Japaner scheinen den Unterschied zwischen Drinnen und Draußen noch nicht so richtig verstanden zu haben.)

Ein Garten, in dem ich Obst anpflanzen kann. Weil Obst hier geradezu unverschämt teuer ist.

Eine deutsche Bäckerei in der Nähe. Am meisten vermisse ich nämlich das Brot, weil es hier nur weißen Toast gibt. Vollkommen ohne Geschmack und Struktur. Die English Muffins sind nicht ganz so schlimm, aber trotzdem noch aus zu weißem Mehl. Ich will Brot mit Körnern!

Ein guter, deutscher Backofen. Die Teile hier sind etwa halb so klein, haben viel zu viele Optionen, aber können doch zu wenig.

Eine Waschmaschine, bei der man den Waschgang und die Temperatur einstellen kann. Bei denen hier geht das fast gar nicht. Und sie waschen auch alle nur bis 40°C. Ich habe 3 Durchgänge und ein Sprüh-Fleckenmittel gebraucht, um den Fettfleck aus meinem Lieblingsshirt rauszukriegen.       (Die Japaner haben AUCH NICHT kapiert, dass Flecken besser rausgehen, wenn man mit warmem bis heißem Wasser wäscht.)

Sollte mir mehr einfallen, werde ich es hinzufügen, aber das wäre vorerst alles.

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Gewöhnung setzt ein

Jetzt sind es schon 4 Monate, die ich in Japan bin. Mein Japanisch ist definitiv besser geworden, und ich habe mich auch an das Leben her gewöhnt.

Das Problem ist nur, je länger ich hier bin, desto mehr wird mir klar, dass das nicht mein Land ist. So viel ich auch über Japan gelesen hatte, es reicht nicht an die wirkliche physische Erfahrung heran.

Es ist einfach anders. Es liegt nicht nur an den Kanji überall, oder an den Pantoffeln extra fürs Klo, beheizten Klobrillen und Eis mit Süßkartoffel-Geschmack.

Ich will euch schildern, was mir an Japan gefällt, und was nicht.

Lustigerweise gehen mir viele der Dinge, die mir eigentlich an Japan gefallen, wenn ich mies gelaunt bin auf die Nerven.

Beispiele:

Die Sprache. Die verschiedenen Höflichkeitslevel. Die Kanji. (Was auch sonst?)

Ich studiere Japanologie, weil ich die Sprache liebe.

Aber es ist etwas anderes, eine Sprache in der abgeschlossenen Umgebung eines Klassenraumes zu lernen, als dies tatsächlich im Land zu tun.

Wie gesagt, ich liebe Japanisch, und an guten Tage sehe ich die Kanji überall als Herausforderung. Als eine Chance, mehr zu lernen.

Ich höre Japanern gerne beim Sprechen zu, weil ich den Klang der Sprache mag.

An schlechten Tagen bin ich einfach nur genervt, weil es so schrecklich anstrengend ist durch das fürchterliche Katakana-Englisch der Japaner durchzusteigen. Und ich meine nicht nur das Lesen! (Ich habe mal 2 Minuten gebraucht, um auf  dem Menü den Drink Screwdriver in Katakana-Englisch zu entziffern.) 

Versucht mal, das zusammengestückelte, grammatikalisch unkorrekte und mit einem schrecklichen Akzent versehene Englisch der Japaner zu verstehen… Von Deutsch will ich gar nicht sprechen. (Ü Ä Ö scheinen fast unüberwindbare Hindernisse zu sein.)

Die Höflichkeitslevel sind ermüdend. Und ich kann noch nichtmal Keigo! Aber nach 4 Monaten schmeiße ich immer noch desu/masu und da-Form durcheinander. >.<

Es gibt Momente, da verstehe ich wirklich KEIN WORT von dem, was mir da gerade auf Japanisch entgegengeschmissen wurde. (Der Bibliotheksangestellte, der irgendwas von Copyright gefaselt hat. Und nochmal alles auf derselben Schwierigkeitsstufe wiederholt hat, nachdem ich ihm gesagt habe dass ich nichts verstanden habe. *grmbl* Was an „bitte einfacher“ kann man nicht verstehen?)

Die japanische relative Homogenität. Dass man als Ausländer extrem heraussticht.

An guten Tagen ist es cool ein Ausländer in Japan zu sein. Weil einem die Japaner viele Dinge durchgehen lassen, die sie Einheimischen übel nehmen würden. Z.B. besagtes Durcheinanderwerfen der Höflichkeitslevel und eventuelle Fettnäpfchen, weil man die Kultur nicht kennt.

Es ist cool beachtet zu werden wenn man durch die Straßen geht. Ich fühle mich besonders hier. In Deutschland gehe ich unter in der Masse unter, hier steche ich heraus.

Und genau das nervt mich manchmal. Kleine Kinder gucken mich mit offenem Mund an, als wäre ich ein Wesen aus einer unbekannten Welt. Ich kriege nervöse Blicke von Verkäufern an der Kasse, vielleicht weil sie Angst haben, ich könnte sie etwas auf Englisch fragen.

Und ich werde allgemein als Kuriosität angesehen.

Maria hat schon vorgeschlagen, uns einfach an eine Ecke zu stellen, mit einem Schild „gaikokujin“ und einem Hut für Spenden. Ich weiß nicht ob wir so unbedingt etwas verdienen, aber wir könnten Gebühren erheben, z.B. für Hände schütteln, Fotos machen etc. DAS ergibt bestimmt einiges an Einnahmen.

Die Annahme der Japaner, dass man kein Japanisch könnte, sollte man Nicht-Japaner sein.

Man wird sofort auf Englisch angequatscht, denn alle Westler, die nach Japan kommen, MÜSSEN ja Amerikaner sein. Ja, klar. Und dann sind sie alle platt, wenn man sagt, dass man aus Deutschland kommt. Und auch noch Japanisch sprechen kann (mehr oder weniger gut).

Als wäre die Fähigkeit, diese Sprache zu beherrschen, irgendwie in den Genen verankert.

Und selbst wenn man AUF JAPANISCH gefragt hat, kann es sein, dass eine Antwort auf Englisch zurückkommt. Oder es wird der nächste Kollege geholt, der gebrochen Englisch spricht.

Andererseits, man kann behaupten, kein Japanisch zu können und sich um einige Dinge herummogeln. Oder Kommentare zu einem selbst mitkriegen, von denen die Japaner dachten, dass man sie nicht versteht. (Ich hab mal ein „Gaijin, Kawaii“ abgekriegt.)

Die Besessenheit der Japaner mit Regeln und Richtlinien und Formen

Kata. Alles läuft auf Kata hinaus. Es gibt festgesetzte Dinge, die man zu bestimmten Gelegenheiten sagt. „ittekimasu“, „itterasshai“ und all so Sachen.

Japaner fühlen sich wohl in allerlei Regeln gut aufgehoben, sie wissen, woran sie sich zu halten haben, wie sie sich zu verhalten haben.

Ein mehr freiheitlich orientierter Westler fühlt sich in den ganzen Regeln eingesperrt.

Was ist das Protokoll für dieses und jenes Ereignis? Was sage ich zu dieser Gelegenheit? Ist es unhöflich, wenn ich dieses oder jenes tue?

Heute ist ein mieser Tag gewesen, daher klingt mein Ton mit Sicherheit nörglerisch.

Generell gefällt mir Japan, nur habe ich schlechte Laune, weil ich in Stinke-Tsu (wie ich es getauft habe) feststecke. Ich denke ich muss einfach mehr Ausflüge woandershin unternehmen. Mir ein Ziel setzen. Weil der Unterricht es nicht schafft, mich zu motivieren.

Alsdann, ich hoffe mit dem nächsten Post wieder etwas positives schreiben zu können.

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